Die Cinta senese
Die Cinta Senese ist eine besondere autochthone Schweinerasse der Gegend um Siena, insbesondere im Chianti. Sie ist durch ein dunkles Fell mit einem weißen Streifen um Brust, Widerrist, Schultern und Vorderbeine gekennzeichnet. Das Profil des Kopfes - Schnauze - ist länger und schmaler als bei anderen Schweinen: eine Anpassung an einen weniger ?häuslichen" Lebensstil. Seine besondere Struktur, die auch den ungünstigsten Witterungsbedingungen standhält, machte nämlich den Bauern der Waldgebiete des Chianti die Haltung der Schweine relativ leicht.
Die Bauern waren 3-4 Monate des Jahres von der Außenwelt abgeschnitten und der Besitz von Tieren der Cinta Senese war oft eine Überlebensgarantie. Die Ohren sind klein, gerade nach vorn stehend und unten angesetzt, wo sie die Augen bedecken, ein Schutz mehr gegen Dornen und Gestrüpp. Auch der Knochenbau hat seine besonderen Merkmale: Die Größe der Knochen ist im Verhältnis fast doppelt so groß wie die der Verwandten landrace und large white , was von der Anpassung an das Leben in der Wildnis zeugt. Die Muskelstrukturen sind dicht und mager, von intensiver roter Farbe; die Fettablagerungen, Freud und Leid dieser Rasse, weisen ganz besondere und wertvolle Qualitäten auf. Die Cinta hat ein sehr viel mageres Fleisch als andere Schweinerassen und aufgrund ihres langsamen Stoffwechsels sind sie als Haustiere oder für die Aufzucht im Stall nicht geeignet. Es gibt sehr viele Zeugnisse, die den Gebrauch dieser Rasse sowohl im Ursprungsgebiet als auch außerhalb der Toskana belegen.
Das berühmteste Dokument ist sicher das Bild der ?Folgen der guten Regierung", ein Werk von Ambrogio Lorenzetti. Eine andere Darstellung, die bezeugt, wie diese Rasse auch außerhalb der Toskana verbreitet war, befindet sich in Venedig im Fußboden der Kirche San Sebastiano (Verkündigungskapelle), ein Werk aus dem Raum Faenza von 1510. Auch im kürzlich wiederentdeckten Freskenzyklus der Kapelle Casanuova di Ama in der Nähe von Gaiole in Chianti, ist zu Füßen des Heiligen Antonius ein Exemplar der Rasse dargestellt.
Das Fleisch, die Wurst und das Fett dieses Tieres waren die wichtigste Überlebensquelle für die Bauern des Chianti, die dessen Produkte für vielfältige Zwecke nutzten. So findet man die Cinta Senese z.B. in einem Medizinhandbuch des 14. Jahrhunderts. Wahrscheinlich waren seine Fettablagerungen außer für die Ernährung auch bei der Zubereitung von Salben und Cremes zu Heilzwecken sehr kostbar. Die Cinta Senese ist heute aufgrund der halbwilden Aufzucht ein stark vom Aussterben bedrohtes Tier, das ein wildes Leben braucht. Das ist der Grund, weshalb die nordeuropäischen, amerikanischen und englischen Rassen, die auf engen Räumen gehalten werden, viele Züchter dazu bewegt haben, der Rasse Cinta Senese den Rücken zu kehren.